Meldung vom 29.04.2020

Bildgestaltung Teil 2

Zu KLEIN, GROSS, OBEN und UNTEN gab es schon einen Bildgestaltungseintrag. Heute geht es um HIN, HER und auf verschiedene Weise HÜBSCH und ABWECHSLUNGSREICH. Hier also Teil zwei der Tipps für eure Filme von Cathleen.

Kamerabewegung

Eine Kamerabewegung verändert den Bildauschnitt. Dabei bewegt sich die Kamera und nicht unbedingt auch das, was die Kamera aufzeichnet. Es gibt verschiedene Kamerabewegungen. Je nachdem, ob die Kamera dabei an einem Ort bleibt (auf dem Stativ beispielsweise) oder in irgendeiner Form vorwärts, rückwärts, seitwärts oder aufwärts bewegt wird, werden die Kamerabewegungen voneinander abgegrenzt. Auch der Zoom gehört zu den Kamerabewegungen, obwohl die Kamera sich nicht bewegt, da aber das Ergebnis häufig ähnlich ist, wird er zu den Kamerabewegungen gezählt, aber dazu später.


Schwenk

Als eine häufige Kamerabewegung finden wir den Schwenk. Bei dieser Bewegung bleibt die Kamera an einem Ort und bewegt sich dort um ihre Achse. Dieses Element der Kameraführung wird dafür genutzt, dem Zuschauer einen Überblick über die Situation zu verschaffen oder auch um Elemente im Film miteinander zu verbinden. Eine Sonderform des Schwenks ist der sogenannte Reißschwenk, in dem das Anfangselement durch schnelles Herumreißen zum Zielelement miteinander verbunden werden. Dabei ist das, was dazwischen liegt unwichtig und deswegen nur unscharf abgebildet. Der Reißschwenk hat meistens eine dramaturgische Funktion und vermittelt Action.

Schwenk horizontal (Bild anklicken): 

 

 

 

 

 

Schwenk vertikal (Bild anklicken):

 

 

 

 

Kamerafahrt

Bei der Kamerafahrt bewegt sich die Kamera durch die Szenerie. Auch die Kamerafahrt ermöglicht dem Zuschauer, neue Dinge im Bild zu entdecken. Eine Kamerafahrt soll den Zuschauer oft leiten, zum Teil auch den Blickwinkel ändern. Eine gelungene Kamerafahrt hängt nicht selten mit dem nötigen Equipment zusammen. Die Handkamera kann eine Fahrt zu unruhig machen und den gewünschten Eindruck mindern. Da Dollys, Steadycam oder Kamerakran nicht unbedingt zur Standartausstattung eines Haushaltes gehören, muss der Filmemacher teilweise kreativ werden. Mit Skateboard, Kinderwagen, Fahrrad oder Bollerwagen können auf entsprechendem Untergrund ruhige Kamerafahrten realisiert werden.
 

Eine besondere Form der Kamerafahrt ist die begleitende Kamera. Dabei wird ein Darsteller oder ein Objekt in seiner Bewegung begleitet und die Handlung so noch intensiver mitverfolgbar gemacht.

 

 

 

Eine weitere Sonderform der Kamerafahrt ist die subjektive Kamera, die besonders in sehr actionreichen Situationen genutzt wird, ob im Sportfilm oder im Horrorstreifen ist oftmals die ein oder andere Szene als subjektive Kamera dargestellt. Der Zuschauer schaut also quasi durch die Augen des Protagonisten auf die Ereignisse. Ein sehr persönliches Erleben soll damit möglich werden.
 

 

Die letzte besondere Form der Kamerafahrt ist der Drohnenflug. Hier wird mit einer Kameradrohne ein Bild der weiten Umgebung von oben ermöglicht. Oft wird das genutzt, um Landschaften oder unübersichtliche Situationen für den Zuschauer erfassbar zu machen. Ein Drohnenflug ermöglicht dem Betrachter auch eine emotionale Distanz zu dem Geschehen aufzubauen und sich den Handelnden da unten überlegen zu fühlen, da man ja den Überblick hat.

 

 

Zu den Kamerabewegungen gehört auch der Zoom. Obwohl sich die Position der Kamera nicht ändert, scheinen die dargestellten Elemente näher heranzukommen oder weiter fort zu rücken. Der Zoom ist eine Veränderung der Linsen im Kameraobjektiv zueinander. Mit dem Zoom verändert sich für den Zuschauer nicht nur der Bildauschnitt, sondern auch die Brennweite (der Hintergrund wird unscharf beim Heranzoomen oder schärfer beim Herauszoomen). Diese Veränderung der Raumwahrnehmung ist für das menschliche Auge nicht möglich, das Auge zoomt nicht. Deswegen werden Zooms oft als nicht natürlich wahrgenommen. Ein Zoom sollte deswegen immer ein Ziel haben, etwa, aus einer Situation herauszuführen, oder zu etwas hinzuführen.
 

Auch ein Stilmittel in der Kameraführung ist die sogenannte Handkamera. In dieser Gestaltungsmöglichkeit verzichtet der Filmemacher auf das Stativ und bewegt sich mit seiner Kamera auf der Schulter oder in der Hand. Die Körperbewegung wird dabei ebenso zum Gestaltungselement, wie die vermittelte Unruhe des Bildes. Die Handkamera vermittelt immer eine große Nähe zum Geschehen, suggeriert intime Einblicke und Insiderwissen.

 

 

Bildaufteilung

Damit ein Bild vom Betrachter als harmonisch wahrgenommen wird, gibt es schon sehr lange die Regel des goldenen Schnitts. Das bedeutet, dass das Hauptmotiv oder auch der Horizont nicht in der Mitte des Bildes verlaufen, sondern das Bild gedanklich in Drittel geteilt wird und das Hauptobjekt auf die gedachte Drittelachse verschoben wird. Das funktioniert im horizontalen und auch vertikalen Bereich. Also denkt bei der Bildaufteilung immer in ein Drittel – zwei Drittel Aufteilungen.

 

 

Ein weiterer Hinweis betrifft die Richtung, in die die Person blickt, wenn sie z.B. spricht. Ist das Gesicht sehr nah am Rand und der Blick nach außen gerichtet, nimmt der Zuschauer das als unangenehm wahr. Besser ist es, der agierenden Person in Sprechrichtung Platz zu geben. Die sprechende Person spricht also in das Bild hinein. Das ist für den Betrachter sehr viel angenehmer.

 

 

Ein weiteres Merkmal für ein angenehm gestaltetes Bild ist der Kopfabstand. Ist z.B. in der Portraiteinstellung der Kopf am oberen Rand oder sogar angeschnitten wirkt das auf den Zuschauer gedrängt. Besser ist es, der handelnden Person eine gedachte Handbreit Raum nach oben zu geben. Ist der Platz nach oben wiederum zu viel, klebt also das Gesicht der anderen Person zu sehr am unteren Bildrand, wirkt das ebenfalls unausgewogen. Passiert aber über dem Kopf der Person etwas Spannendes, was der Handlung dient, kann dieser Bildausschnitt sinnvoll sein.

 

Es ließe sich noch einiges mehr zur Bild- oder Filmgestaltung sagen, z.B. dass ein zu wuseliger Hintergrund verwirrend und ablenkend sein kann oder Gesichter und Objekte schwer erkennbar sind, wenn sie gegen das Licht gefilmt werden und und und... Jedem Filmemacher fallen da sicher noch weitere Tipps und Regeln ein, aber auch hier gilt wieder: Regeln sind da, um gebrochen zu werden und solange die von euch gewählten Bilder und Bildbewegungen der Handlung eurer Filme dienen, steht eurer HOLLYWOODKARIERE nichts im Wege.

Cathleen


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