Meldung vom 22.04.2020

...weil immer wieder danach gefragt wird...

Tja was soll ich sagen - ich schneide meine Videoprojekte auf Final Cut - damit komme ich gut klar und die Funktionsweise lässt sich in der Projektarbeit gut an die Teilnehmenden vermittelt. Am Ende eines Projektes kommt dann meist die Frage: "... und wie heißt das Programm und wie teuer ist das?" Da werde ich dann immer ganz verlegen und komme ins Stottern. Damit das nicht mehr passiert und ich guten Gewissens eine Empfehlung für ein Videobearbeitungsprogramm aussprechen kann, haben meine Kollegin Lene und ich uns mal hingesetzt und zwei kostenfreie plattformübergreifende Schnittprogramme für euch getestet:

Da wäre zum einen:

Shotcut

Das Open-Source-Programm funktioniert für FreeBSD, Linux, MacOS und Windows. Es wurde 2011 gestartet und basiert auf dem MLT (Media Lovin 'Toolkit) Multimedia Framework.

Die Programmoberfläche ist auf Deutsch, ganz gut strukturiert und recht simpel aufgebaut. Allerdings hat man im ersten Moment gar nicht das Gefühl, dass es sich um ein Schnittprogramm handelt :). Das ändert sich aber, spätestens, wenn man den ersten Clip importiert hat. Hinter allen Tools verbergen sich zudem kleine Erklärfelder, wodurch man sich doch ziemlich fix in die Funktionen einfuchsen kann.

Einfache Titel sowie Farbkorrekturen aber auch Größe und Position (z.B. für Bild in Bild) lassen sich schnell und einfach bearbeiten.

Installiert habe ich das Programm auf einem MacBook Pro und auch auf meinem Laptop Acer Aspire (Windows10). In beiden Fällen funktionierte die Installation einfach und ohne Schnick-Schnack. Allerdings muss ich sagen, dass mein Acer schon ein bisschen zu kämpfen hatte. Den habe ich mir aber auch eher für Office angeschafft – heißt, der Arbeitsspeicher ist ziemlich klein. Das hat sich auch prompt bemerkbar gemacht, denn schon eine kleine mp4 lief nicht ganz rund (für alle die sich über die Leistung ihres Rechners nicht ganz sicher sind, probiert es einfach, denn Shortcut lässt sich auch einfach und problemlos wieder deinstallieren). Beim MacBook Pro (2012) lief hingegen alles ruckelfrei.

Im Fall von Shotcut gibt es wirklich einige gut gemachte Tutorials für Einsteiger auf YouTube. So gelingt es, sich schnell in das Programm und seine Funktionen einzuarbeiten.

Und dann gibt es noch

DaVinci Resolve von der Firma Blackmagic (auf der angegebenen Seite ganz nach unten scrollen, da gibt es zwei Downloadversionen).

Dieses Programm kann für Linux, MacOS und Windows heruntergeladen werden. Natürlich will die Firma Geld verdienen und das tut sie auch mit verschiedensten Produkten. Ihre Schnittsoftware bietet Blackmagic freundlicherweise in zwei Versionen an. Kostenfrei ist die "abgespeckte" Version der Profischnittsoftware (DaVinci Resolve Studio). Es braucht natürlich ein wenig Zeit, sich in das Programm einzuarbeiten und wenn ich eine etwas andere Oberfläche gewohnt bin, muss ich meine Komfortzone verlassen und mich etwas umorientieren, aber das macht (mir zumindest) echt Spaß. Ein wirklich feines Programm, dass da kostenfrei für die Bildungsarbeit zur Verfügung steht, wenn auch momentan nur mit englischer (wahlweise spanischer, portugiesischer oder chinesischer) Oberfläche, aber das kann man ja auch als Herausforderung verstehen. Ich zähl jetzt mal nicht auf, was alles mit dem Programm möglich ist, aber Schnitt, Titel, Abspann, Übergänge, Audioanpassung, Mehrspurprojekte, Bild in Bild… sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Oberfläche mag einen absoluten Filmschnitteinsteiger etwas abschrecken, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten sich dem eigenen Workflow zu nähern. Da gibt es einmal das Handbuch und ein von der Firma erstelltes Lernvideo (allerdings in englischer Sprache). Eine weitere Möglichkeit sich dem Programm zu nähern sind deutsche Tutorials beispielsweise von Andreas Abb. Erwähnt sei am Ende vielleicht noch, dass wir Download und Funktionstest unter macOS High Sierra (MacBook Pro von Mitte 2015) und Lenovo IdeaPad S340, Windows 10 gemacht haben und es lief soweit alles rund - ein Laptop mit zu wenig Arbeitsspeicher könnte anfangen zu röcheln.

Wir haben in Shotcut mp4, mp3 und jpeg Dateien getestet, was einwandfrei funktioniert hat. DaVinci hat problemlos mov, mp4, wav, png, jpeg verarbeitet. Ich gehe mal davon aus, dass beide Programme die Standard-Formate verarbeiten, aber eventuell bei Paradiesvogel-Formaten streiken könnten. Was die Ausgabeformaten angeht, ist Shotcut recht vielseitig. Grundsätzlich wird eine mp4 mit h246 Codec ausgegeben, allerdings hat man, bei Bedarf, eine Reihe weiterer Optionen, wie mpg2, GIF, AVI, etc., wobei alles auch nochmal individuell konfiguriert werden kann. Bei DaVinci gibt es die verschiedensten voreingestellten Ausgabeformate (z.B. optimiert für YouTube oder vimeo), aber auch hier gibt es etliche Möglichkeiten individuelle Einstellungen vorzunehmen.

Zusammenfassend ist vielleicht zu sagen, dass wir Shotcut all denjenigen ans Herz legen können, die mehr machen wollen, als mit dem Moviemaker möglich wäre. Wer sich in eine mächtigere Oberfläche mit unsagbar vielen Möglichkeiten herantraut, der probiere DaVinci Resolve.

Viel Spaß beim Videoschnitt wünschen Lene und Sabine

 


1 Kommentar

von Alexander Schult am 22.04.2020 um 10:36 Uhr

«Vielen Dank für den Beitrag. Schön für die Arbeit in medienpädagogischen Projekten. Damit können die Teilnehmer dann ohne Kosten in Zukunft weiterarbeiten.»

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