Meldung vom 06.09.2012

GEMAfreie Musik für Medienprojekte

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Die Hörspiel- oder Filmidee steht, die Rollen sind verteilt, die Aufnahmen sind im Kasten, es geht an den Schnitt und an die Produktion. Alle Puzzelteile für das Medienprojekt warten darauf, zusammengesetzt zu werden nur eine Lücke klafft - die Musiklücke. Es tun sich Fragen auf: Darf ich jede Musik einfach so für mein Medienprojekt nutzen? Darf ich das Hörspiel, die Themensendung oder den Film dann auch öffentlich ausstrahlen oder zu einem Wettbewerb einreichen? Da war doch was mit GEMA und Rechten...


Hier ein kleiner Leitfaden, welche rechtlichen Grundlagen bei der Verwendung von Musik beachtet werden müssen und welche Musik unter welchen Bedingungen für Medienprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verwendet werden darf.


Urheberrecht:

Das Urheberrecht schützt wirtschaftlich und ideell das Werk (Musikstück) des Künstlers (z.B. Musikband) gegen die unrechtmäßige Nutzung durch Dritte. Damit sind Konsumenten gemeint. "Unrechtmäßig benutzen" bedeutet:
a) unerlaubter Besitz des Werkes, sprich "Raubkopie",
b) Urheberrechtsbruch begehen und Liedstrukturen oder Texte klauen. Die Nutzungsrechte des Musikstückes umgehen, sie unerlaubt zu verteilen oder aufzuführen, ist genauso wenig erlaubt.


Verwertungsgesellschaften:

Verwertungsgesellschaften kontrollieren die Einhaltung des Urheberrechtsgesetzes und vertreten die wirtschaftlichen Interessen des Künstlers. Sofern der Künstler auch Mitglied - in der staatlich beauftragten - Verwertungsgesellschaft ist (für diese Mitgliedschaft zahlen die Künstler einen Mitgliedsbeitrag). In Deutschland übernimmt das primär die "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" (GEMA). Sie zeichnet verantwortlich für die Verwertung und Erhebung von Nutzungsgebühren von urheberrechtlich geschützten Musikstücken. An die GEMA muss man sich persönlich wenden, wenn man urheberrechtlich geschützte Musik spielen möchte, beispielsweise in öffentlichen Veranstaltungen, im Bürgerfunk, in der Disco oder in Medienprojekten (dies gilt auch für die Veröffentlichung von Podcasts). Zur Nutzung dieser Musik muss man eine kostenpflichtige Lizenz bei der GEMA erwerben. Bei Nicht-Beachtung oder -Zahlung liegt ein Urheberrechtsbruch bzw. eine unerlaubte Nutzung vor und wird zivilrechtlich geahndet.
Einmal im Jahr schüttet die GEMA die Gewinne anteilsmäßig an ihre Mitglieder (Musiker) aus.

GEMA-freie Musik:

Es gibt weltweit zigtausend Musiker, die mit ihrer Musik kein Geld verdienen müssen oder wollen. Sie veröffentlichen ihre Musik auf dem Wege der Creative Commons. Diese Künstler verlangen keine Vergütung für ihre Werke. Der Hörer darf sich diese Musik kostenfrei runterladen, anhören und selbst für eigene Zwecke einsetzen: Öffentlich abspielen, im eigenen Film als Soundtrack einsetzen oder in der Disco auflegen. Der Künstler verlangt einzig und allein, dass sein Name genannt werden muss und niemand Gewinn mit seiner Musik machen darf.
Unter welchen Bedingungen man das Musikstück für Medienprojekte nutzen darf, steht ausdrücklich in der dazugehörigen Creative-Commons-Lizenz.

Jamendo:

Jamendo ist eine von verschiedenen Bezugsquellen von Creative-Commons-Musik. Der Online-Katalog von Jamendo ist gut sortiert und die Vorauswahl über die Funktion "Musikstile" (Genre) bringt einen schnell zur gewünschten Musik. Eine Registrierung ist nicht notwendig, die gewünschten Musiktitel kann man direkt vom Künstler-Profil im mp3-Format und guter Klangqualität herunterladen. Es besteht die Möglichkeit in der erweiterten Suche die Musiken nach dem Suchkriterium "Alben, die als Ausgangsbasis für eine Weiterbearbeitung dienen" vorzusortieren.


Einschränkung:
Es kann vorkommen, dass Künstler, die ihr Schaffenswerk bisher unter CC lizenziert haben, sich irgendwann entscheiden, doch Mitglied einer Verwertungsgesellschaft (GEMA) zu werden. In einem solchen Fall wird automatisch ihr bisheriges unter CC veröffentlichtes Schaffenswerk in kostenpflichtiges und von der GEMA verwaltetes, geistiges Eigentum überführt. Produzenten, die CC-Schaffenswerke dieser Künstler eingesetzt haben, müssen dann entweder "nachzahlen" oder dafür sorgen, dass die Produktion inklusive der verwendeten Musikstücke, aus der Öffentlichkeit (Internet) verschwindet. Ein solches Szenario ist wissentlich noch nie eingetreten, Nutzer von CC-Inhalten sollten sich dieser Tatsache allerdings bewusst sein. Die Vorteile kostenfreier CC-Inhalte überwiegen nach wie vor und man sollte sich nicht von einer hypothetischen Veränderung der Nutzungsrechte beeinflussen lassen.

 

Auf facebook gibt es eine Gruppe ("Kreatives Gemeingut") - die sich diesem Thema widmet...
 


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