Meldung vom 16.04.2010

Medienkompetenzpreis 2010

16.04.2010

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Am 16.04.2010 wurden der Medienkompetenzpreis und der medienkompetenzpreis Schule im Theater im Stadthafen verliehen.
In diesem Jahr hatten sich über 30 Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern um den Preis beworben.

Die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur haben für 2010, im Rahmen von FiSH X, dem Festival im StadtHafen Rostock, den Medienkompetenzpreis verliehen.
Der Preis der Medienanstalt MV ist herausragenden Projekten gewidmet, in denen Teilnehmer/innen Medienkompetenz erworben haben. Ausgezeichnet werden nachhaltige und/oder innovative Projekte, bei denen Medienkompetenz an Kinder, Jugendliche
oder Erwachsene vermittelt wird.

Die Jury:

  • Dr. Uwe Hornauer, Direktor der Medienanstalt MV
  • Sabine Busching, Fachausschuss für Offene Kanäle und Medienkompetenz MMV
  • Dr. Jan Hartmann, Medienpädagogisches Zentrum
  • Birgit Grämke, Stellv. Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung MV
  • Stefan Horn, Leiter Ostseestudio NDR Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern
  • Prof. Dr. Roland Rosenstock, Professor für Religions- und Medienpädagogik
  • Uni Greifswald

 

In diesem Jahr hat den Medienkompetenzpreis gewonnen das Projekt:
Film ab!
Friedrichshof 13 e. V.

aus der Laudatio von Herrn Horn, Studioleiter des NDR-Ostseestudios Rostock:

Ich möchte Euch und Ihnen jetzt ein Projekt vorstellen, dass es uns in diesem Jahr noch ein bisschen mehr angetan hat, als die anderen Projekte, die wir schon gesehen haben und über die wir gesprochen haben. Ein Projekt, bei dem die Macherinnen und Macher selbst entscheidend mit Hand angelegt haben - was ja hier üblich ist, beim Medienkompetenzpreis. Nicht ganz üblich allerdings ist, dass Macher und Akteure sich selbst und ihre Lage zum zentralen Thema der Produktion machen – und dass das dann auch noch so überzeugend gelingt.
Sie habens nämlich auch drauf, das sagt Ronny am Anfang der Reihe „Film ab! – Leben auf dem Lande, Leben in der Stadt.“
In der Gegend um Friedland, das ist in der Neubrandenburger Ecke und in Rostock sind Beiträge entstanden, die zeigen, dass das Leben von Menschen mit Einschränkung genauso um die Themen Liebe, Lust und Leid kreist, wie das vieler anderer Leute auch. Und dass auch sehr ernste Sachen besser anzupacken sind, wenn man zwar die Arbeit und das Thema - aber nicht immer sich selbst völlig ernst nimmt. Mit diesem Projekt nehmen Sie vielen einen Teil der Scheu, die ja im Umgang mit Gehandicapten oft herrscht und sie erobern sich eine ordentliche Portion Respekt für ihr Leben und ihre Arbeit. Wenn Sie ihren Zuschauern etwas erklären, fühlen die mit Ihnen. Und wenn sie einen ordentlichen Witz reißen, haben sie die Lacher auf ihrer Seite. Und das ist genau die Kombination, die jeder Filmemacher gerne hätte.
Herzlichen Glückwunsch an den Friedrichshof 13 e.V. für Film ab – Leben in der Stadt und auf dem Lande!
 

 

Der zweite Preis ging an das Projekt:
"Lebensläufe",  Adolf-Diesterweg-Schule Stralsund und Medienwerkstatt
Identity Films

aus der Laudatio von Herrn Horn:

Arbeit mit Medien, Arbeit in den Medien ist ein hervorragender Weg an die Öffentlichkeit. Das macht bei den Macherinnen und Machern auch Erfahrungen mit der eigenen Eitelkeit. Das ist ja schon was – ah, das war ein Beitrag von Ihnen… das geht schon ganz gut runter. Mit zunehmender Routine wächst der Spaß, dem Publikum zu zeigen, was man kann, wächst die aufregende Erkenntnis, ich bin hier der Master of Pupetts, derjenige, der sagt, wie die Geschichte geht, weil ich sie erzähle – und ihr sie mir einfach glauben müsst. Weil ICH gerade erzähle. Und es wächst die Verantwortung.
Für das Publikum, für seine Darsteller, für das Projekt und Mitstreiter. Ein guter Geschichtenerzähler führt seine Figuren, er folgt ihnen auch zuweilen nur. Und solange wir s nicht mit Spielfilmen zu tun haben, geht es vor allem um eins – Um Aufrichtigkeit.
Die Macherinnen und Macher der „Lebensläufe“ haben vielen Versuchungen widerstanden. Die Strafgefangenen, die sie in der JVA besucht haben, erzählen ihre Lebensläufe, so wie sie sie sehen. Das ist nicht immer so, wie andere sie sehen. Aber niemand muss hier diskutieren, klein beigeben oder am Ende Recht behalten. Auch wer sich schuldig gemacht hat, darf Würde haben, auch wer Recht sprechen muss, darf Fragen haben, auf die er keine Antworten findet und auch wer das Gesetzt schützen muss, darf zuweilen zweifeln. Natürlich sind Botschaften, die aus knackigen Antworten bestehen, die einfacheren. Und oft klappt das ja auch. Weil dieser Film aber darauf verzichtet, die Hauptfiguren bloßzustellen, mit ihren ja manchmal auch unscharfen Bilder von sich selbst, indem er uns die Erkenntnis zumutet, dass es für einen gescheiterten Lebenslauf oft keine allgemeingültige Erklärung gibt, deswegen fehlt hier die Botschaft. Die setzt sich langsam in jedem Betrachter selbst zusammen. Vermutlich bei jedem ein bisschen anders. Und das ist die bemerkenswerte Leistung des Films „Lebensläufe“ – Herzlichen Glückwunsch an die Schülerinnen und Schüler der Adolf-Diesterweg-Schule in Stralsund und die Medienwerkstatt Identity Films!
 

 

 

Den dritten Platz belegte das Projekt:
"Die kleinen Warnow-Reporter",
Lohro

Aus der Laudatio von Herrn Horn:

Medienkompetenz meint unter anderem die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen. Und in diesem Kreis muss man natürlich auch sagen – herzustellen. Der dritte Platz in der Kategorie Medienkompetenzpreis geht an ein Projekt, das mich an meine zweite große Liebe erinnert hat. Aus der ersten ist übrigens eine tolle Freundschaft geworden, die zweite allerdings weckt immer noch eine Menge Leidenschaft. Radio kann nämlich fast alles und es kann es am schnellsten von allen, wenn es sei muss, jetzt sofort – Live. Die Preisträger haben in eine knappe Stunde Radio Interviews, O-Ton-Kollagen, Manuskripttexte und Musik zu einem kurzweiligen und dazu noch interessanten Stück Hörfunk zusammengefügt. An einem großen Interview kann man ganz kläglich scheitern oder man kann – wenn man gut vorbereitet und in guter Atmosphäre arbeitet – ein informatives und charmantes Gespräch machen – Man kann seine Hörer unter Informationen ersticken, oder sie so sortieren, dass jeder Lust bekommt, noch mehr zu erfahren. So wie die Warnow-Reporter es gemacht haben. Herzlichen Glückwunsch an die Warnowschule Papendorf für das Projekt die kleinen Warnow-Reporter!

 

 

Neben dem Medienkompetenzpreis wurde natürlich auch wieder ein Schulpreis verliehen.Dieser Preis wird verliehen durch das Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. 

In diesem Jahr hielt Herr Prof. Dr. Rosenstock (Uni Greifswald) die Laudatio:

Der Schulpreis 2010 ging an das Staatliche Schulamt Rostock mit dem Projekt
"Was war? Was ist? Was bleibt? Die deutsche Revolution – Eine Spurensuche –

Es stimmt nicht, dass die Schulen unseres Landes kein Interesse an der Aufarbeitung der DDR-Zeit haben – wie es in der OZ diese Woche zu lesen war. Es gibt viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich der Vergangenheit stellen auch ihrer eigenen und die Schülerinnen und Schüler in ihrer Spurensuche unterstützen, die „Wahrheit über die DDR“ zu erfahren. Und diese Wahrheit hat viele Gesichter und viele Geschichten.

Wenn neunzig Schülerinnen und Schüler von sieben Schulen schultypübergreifend ein gemeinsames Geschichts- und Medienprojekt machen, dann ist das schon ungewöhnlich.

Wenn dieses Projekt nicht nur die Schülerinnen und Schüler sondern auch ihr direktes Umfeld dazu auffordert, sich mit der Vergangenheit ihres Dorfes oder der Menschen ihrer Stadt auseinanderzusetzen, dann ist es etwas ganz besonderes.

(Die Jury ist beeindruckt von den Zeitzeugeninterviews, den erzählten Lebensgeschichten, die uns emotional tief bewegt haben aber auch zeigen, dass hier Schülerinnen und Schüler zu eignen Biographie-Forscherinnen geworden sind. Dieses Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für ein eigenständiges, entdeckendes ja forschendes Lernen.)

Und wenn diese Schulen es auch noch schaffen - zusammen mit Partnern -Studiodiskussionen, Onlinedokumentationen, Messestände und interaktive Präsentationen zu erstellen, dann lernen nicht nur Schülerinnen und Schüler durch die entstandenen Lehrmaterialien von einander, sondern dann findet es selbst mediale Aufmerksamkeit und wird zu einem eigenständigen multimedialen Zeitdokument.

Die Jury ist nicht nur beeindruckt von den Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler sondern auch von dem professionellen Projektmanagement und dem Engagement der beteiligen Lehrerinnen und Lehrer und medienpädagogischen Mentoren und würdigt diese imponierende Pionierleistung.

 


Den zweiten Preis erhielt die Warnowschule Rostock mit dem Projekt "Eine Reise nach Bernli"

Hier hat das Lied von den „Ärzten“ DEINE SCHULD sechs Jugendliche inspiriert.

Lass dir nicht alles gefallen!
Benutze deinen Kopf!
Zeig Deine Meinung!
Steh zu deinen Werten!
Schärf deine Sinne!
Bestimme selbst,
wie Du dein Leben und deine Ideen mit Hilfe der Medien anderen Menschen zeigen kannst.
Doch: Ohne die Gruppe geht gar nichts, denn jeder wird gebraucht.

Und wenn alles fertig ist: sei Stolz auf dich und die Gruppe und genieße den Erfolg.

Doch vorher muss viel erledigt werden. Die Reise, von der in dem Film erzählt wird, beginnt mit der Auswahl der Drehorte, dem Story Board, der Zuordnung der Szenen zu dem Songtext, den Requisiten, dem Entwurf für ein Cover und einem Filmplakat. Dann wird gedreht und geschnitten. Gut wenn ein Profi dabei zur Seite steht. Besonders innovativ und beispielhaft fand die Jury die Entwicklung eines medienpädagogischen Projektes an einer Schule zur individuellen Lebensbewältigung.

 


Ebenfalls den zweiten Schulpreis erhielt die
Grundschule Matzlow mit dem Projekt: "Aufregung im Adlernest"

Kinder lieben Zeichentrickfilme. Und Erwachsene auch.
Doch es ist ein Unterschied ob ich mir einen Animationsfilm im Fernsehen anschaue oder in einem Team einen Trickfilm selber produziere.
Ganz toll ist es, wenn das schon in der Grundschule möglich ist.

Dann werden Figuren gebastelt, Hintergründe entstehen und eine spannende Geschichte wird ausgedacht.
Ein Drehbuch entsteht, Kamera und Laptop werden in Position gebracht,
mit Knete werden Augen und Flügel beweglich gemacht und dann die Bilder geknipst.
Nach den Bildern kommen die Tonaufnahmen und die Geräusche werden eingeübt.

Für die Flügelschläge werden wedelnde Tücher eingesetzt und für das Aufbrechen der Eierschale ein Tischtennisball zerschnitten, deren Hälften aneinander gerieben werden. Am Computer kommen Ton und Film zueinander und dann wird geschnitten. Und wie gut das es den Medientrecker gibt!

Und es entsteht ein wunderbarer Film von Kindern einer vierten Klasse, dessen Charme sich die Jury nicht entziehen konnte. Und der von Anfang bis Ende spannend ist.

Denn: Wer von uns hat schon den Mut und die Zeit, ein Adlernest aus der Nähe zu betrachten. Wie das Nest gebaut wird, die Eier gelegt werden und die Jungen schlüpfen. Das Adlerpaar Waltraud und Siggi sich um einen Karpfen streiten oder miteinander flirten. Alfred und Bertha Mäuse fangen und ihre ersten Flugversuche.

unternehmen.

Und so können die Schülerinnen und Schüler nach dem dritten Platz beim deutschen Multimediapreis MB 21 in Dresden heute einen weiteren Preis gewinnen.
 

 

 Der Publikumspreis ging in diesem Jahr an das Projekt:
"Lebensläufe", Adolf-Diesterweg-Schule Stralsund und Medienwerkstatt Identity Films

 


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